Anne Rice / Christopher Rice : Ramses the Damned : The Passion of Cleoptra

28 Jahre hat es gedauert, bis Anne Rice ihrem Roman „The Mummy or : Ramses the Damned“ einen zweiten Teil folgen ließ. Wie jüngst Stephen King hat sie sich für dieses Projekt Unterstützung bei ihrem Sohn geholt, der als Co-Autor genannt ist und einem Interview der Beiden zufolge die Hauptarbeit zu leisten hatte. Während Anne Rice sich darauf konzentrierte, die Kontinuität der Figuren des ersten Bandes zu wahren, entwarf Christopher Rice die Handlung, neue Figuren und schrieb die jeweils neu überarbeiteten Fassungen, natürlich unter Beachtung der Hinweise der Mutter.

Der zweite Teil schließt nahtlos am Ende des ersten Bandes an. Wir befinden uns also wiederum im Jahre 1914. Die Anzeichen eines nahenden Krieges verdichten sich – am Ende des Buches wird sich Großbritannien im Krieg mit dem Deutschen Reich befinden -, während Ramses alias Reginald Ramsey und Julie Stratford durch Europa reisen. Auch Elliott, Earl of Rutherford, der Beinahe-Schwiegervater Julies, ist in Europa unterwegs und erwirtschaftet an Spieltischen ein nicht unerhebliches Vermögen, das er, beraten durch Ramses, in Ländereien investiert, auf denen alte Goldminen zu entdecken sein werden.

Bald schon soll Julies und Ramseys Verlobungsfeier in der Nähe von London stattfinden, allerdings befürchten beide, daß die unberechenbare Kleopatra erneut auftauchen und Rache nehmen könnte. Was sie allerdings nicht wissen können : sie sind in das Visier weit älterer, ebenfalls unsterblicher Mächte geraten, die einander bekriegen und in Julie bzw. Ramses einen Schlüssel zu ihrem Sieg vermuten. Aber auch Kleopatra maacht sich auf den Weg zur Verlobungsfeier, denn sie hat erkannt, daß sie nicht wahrhaft wiederauferstanden ist, daß ihr Erinnerungen und die eigene Seele finden. Mehr noch : in Visionen begegnet ihr immer wieder eine unbekannte Frau, von der sie sich bedroht fühlt.

Diese Frau ist Sybil Parker, eine amerikanische Autorin, die ihre lebenslangen Visionen und Träume vom alten Ägypten in Romane verwandelt hat und damit sehr erfolgreich wurde. Sie ist es auch, die mit Kleopatra in einer telepathisch-visionären Verbindung steht, sie jedoch keineswegs bedrohen, sondern nur erfahren will, was ihr geschieht. Ramses, den sie in Träumen gesehen hat und in Pressefotos wiedererkannte, scheint ihr Auskunft geben zu können.

Und so treffen nun alle Beteiligten bei der Verlobungsfeier aufeinander : die bestmögliche Garantie, daß sie zu einer Katastrophe ausartet. Julie soll entführt werden, der aktuelle Liebhaber Kleopatras dreht durch und etliche nicht eingeladene Gäste zerfallen vor den Augen aller anderen zu Staub…

Sichtlich sind in diesem Buch Anne und Christopher Rice darum bemüht, daß Thema in einen größeren mythologischen Zusammenhang zu fügen. Wir begegnen gleich zu Beginn einer Königin eines zerfallenen afrikanischen Königreiches, das schon vor der Hochkultur Ägypten existiert hatte. Sie war einst die Entdeckerin des Unsterblichkeitselixiers, ist selbst unsterblich und weitaus mächtiger als Ramses. Ihr Gegner ist ihr ehemaliger Liebhaber und Berater, der das Geheimnis um das Mittel an sich bringen will – allein um der damit verbunden Macht willen. Ramses, Kleopatra geraten mitten hinein in die Auseinandersetzung, und das ist der Handlung und damit dem ganzen Roman recht zuträglich.

Denn statt der absehbar möglichen Variationen kommen vollkommen neue Handlungsstränge in Gang, das Thema wird vertieft und in einen größeren Rahmen eingebettet, der Folgeromane wahrscheinlicher macht. Und, gottseidank, ist das Heftchenroman-Flair vollkommen verschwunden. Allerdings muß der Leser sich umstellen : er muß sich daran gewöhnen, daß mit neuen Figuren an unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten die Erzählweise zunächst etwas zersplitterter wirkt und das Lesen – ein wenig – anstrengender macht. Dies ist aber notwendig, um die Vertiefung der Geschichte, der Personen und der Diskussion um das Wesen, den Segen und Fluch der Unsterblichkeit erreichen zu können.

Mit der Figur der Sybil Parker hat Christopher Rice seiner Mutter ein Altergeo geschaffen oder geradezu ein Denkmal gesetzt (wenngleich ich zunächst dann doch eher an Pauline Gedge dachte). Diese Figur ist allerdings für die metaphysische Diskussion in diesem Buch unerlässlich, und durch sie gelingt es beiden Autoren, die Figur Kleopatras glaubwürdiger, „menschlicher“ und interessanter zu gestalten. Eine wirkliche Lösung erfährt die Frage, was mit den Seelen der Toten geschieht, allerdings nicht. Die angebotene These einer Seelenwanderung wird letztlich als wenigstens teilweise unzureichend beschrieben. Und so wird Kleopatras Leiden an sich, an ihrem Untotsein nur zeitweise und sehr bedingt gelindert …

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß der Roman qualitativ besser ist als sein Vorgänger, das Tempo ist gesteigert, die Personen, insbesondere Alex, Julies einstiger Verehrer, sind detaillierter ausgearbeitet und weniger holzschnittartig, und Anne-Rice-Fans finden mit Sicherheit viel von dem, was sie an ihre Bücher bindet. Wer solche Bücher mag, die ja eher moderne Gothic Novels als Horrorromane sind, darf diesen Band ruhig zur Hand nehmen.

Der Termin für eine ins Deutsche übersetzte Ausgabe ist mir noch nicht bekannt.

Bibliographische Angaben :

Anne Rice / Christopher Rice : Ramses the Damned : The Passion of Cleoptra

Anchor Books

ISBN : 978-1101970324

© Jost Renner

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.