Larry Niven / Jerry Pournelle : Lucifer’s Hammer

1977 erschien dieser Science-Fiction-Roman, der wohl erstmals weitgehend realistisch den Einschlag eines Asteroiden auf der Erde und dessen Folgen beschreibt. Zu diesem Zeitpunkt gab es die These, das Aussterben der Dinosaurier sei auf eine solche Kollision zurückzuführen, noch nicht.

Mitte der siebziger Jahre entdeckt der Amateur-Astronom und Erbe eines Industriekonzerns zufällig einen sich der Erde nähernden Kometen. Wissenschaftler taufen ihn Hammer-Brown, die Boulevard-Medien und Untergangsprediger nennen ihn Luzifers Hammer. Die Astronomen allerdings sind der Meinung, er werde die Erde verfehlen und keine Gefahr darstellen. Doch dann zerbricht der Komet in mehrere Teile, deren Flugbahn kaum noch berechenbar ist. Und sie schlagen ein, sodaß Europa und Afrika weitgehend zerstört werden.

Hinzu kommen Klimaveränderungen, Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis, die verheerenden Schaden anrichten. Demzufolge sind Ressourcen und besiedelbares Land sehr knapp – und erwartungsgemäß entspinnen sich Konflikte bis hin zum Atomkrieg zwischen China und Rußland. Immerhin können die Regierenden in den USA überzeugt werden, daß ein Angriff auf ihr Land nicht geplant ist, allerdings erbittet Rußland militärischen Beistand gegen den Angreifer China. Dabei ist die Lage in den Vereinigten Staaten chaotisch. Verschiedene Politiker ernennen sich – gleichzeitig – zum neuen Präsidenten, marodierende Banden ziehen durch das Land. Ratten und zu Risenkarpfen mutierte Goldfische dienen als Nahrung, immer wieder aber auch Menschen. Dabei dient der Kannibalismus vor allem dazu, Menschen zu brechen und in Abhängigkeit zu den Banden zu bringen.

Die zentralen Figuren des amerikanischen Handlungsverlauf sind ein amerikanischer Senator, der seinen Landsitz zu einem streng abgeschotteten Überlebenszentrum ausbaut, in dem strenge Hierarchien wie auch noch strengere Zugangskontrollen herrschen, und ein evangeliklner Prediger, der ehemalige Armeeeinheiten zu einem schlagkräftigen Heer ausbaut, das plündernd und mordend durchs Land zieht. Zwischen beiden kommt es zu einer Entscheidungsschlacht …

Vor einigen Tagen wurde bekannt, daß Jerry Pournelle, einer der beiden Autoren, verstorben ist. Er gilt als der erste Autor, der einen Roman mit einem Textverarbeitungsprogramm auf einem Computer geschrieben hat. Er, wie auch Larry Niven, sind bekannt als Verfechter technologischen Fortschritts und der Raumfahrt. Für beides setzten sie sich auch politisch ein und berieten Ronald Reagan etwa beim SDI-Programm.

Beiden Autoren ist ein realitätsnaher und spannender Roman gelungen, der den wissenschaftlichen Erkenntnissen der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts nicht nur standhält, sondern sie auch so weit weiterdachte, daß er die Wissenschaft zu weiteren Arbeiten inspirierte. Aus heutiger Sicht allerdings scheinen die Folgen eines Einschlags eines größeren Asteroiden eher konservativ gedacht. Von einem inzwischen anzunehmenden nuklearen Winter etwa ist hier nichts zu lesen. Abstand wahrt er auch zu einer denkbaren Heldensaga, wie man sie zum Beispiel bei „Armageddon“ im Kino sah. Stattdessen lehnen sich Konstruktion und Aufbau eher an die Katastrophenfilme der Siebziger wie „Erdbeben“ oder „Flammendes Inferno“ an, letzterer wird sogar im Text erwähnt.

Dies scheint auch in Hinsicht auf die Intentionen der beiden Verfasser sinnvoll. Der Asteroiden-Einschlag ist notwendiger Aufhänger für die Darstellung der post-apokalyptischen Gesellschaft und die Diskussion der beiden möglichen Grundpositionen : ein allmählicher Aufbau technologischer Strukturen oder ein Rückfall in quasi „prä-zivilisatorische“ Ursprünge. Nivens und Pournelles Position zu dieser Fragestellung ist klar, und so kann man sich vorstellen, wie der zentrale Konflikt, bebildert durch den Konflikt um ein Atomkraftwerk, letztendlich entschieden wird. Und doch darf man beiden zugutehalten, daß sie die Gegner des neuen technologischen Fortschritts zu Wort kommen lassen und die Auseinandersetzung führen.

Ich habe das Buch in der englischsprachigen Originalfassung gelesen. Eine Neuübersetzung unter dem Titel „Komet – Der Einschlag“ wird am 13. November 2017 im Mantikore-Verlag (ISBN : 978-3945493977) erscheinen.

Bibliographische Angaben :

Larry Niven / Jerry Pournelle : Lucifer’s Hammer

Del Rey Books

ISBN : 978-0449208137

© Jost Renner

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