J.K. Rowling : Harry Potter und die Heiligtümer des Todes

Kurz vor Harrys siebzehnten Geburtstag beschließen Ministerium und Orden, Harry und die Dursleys zu evakuieren, da mit der Vollendung des 17. Lebensjahres der Schutz des Durleyschen Hauses endgültig erlischt. Zeitpunkt und Ablauf werden jedoch verraten, und die Gefährten geraten in einen Hinterhalt. Nur knapp entkommen, steht für Harry eine Rückkehr nach Hogwarts außer Diskussion, steht das Internat doch unter dem Regiment Snapes und einiger Todesser. Zudem ist Harrys Aufgabe, alle Horcruxe zu finden und zu vernichten, noch nicht erfüllt. So flüchten Harry, Hermine und Ron von Ort zu Ort, entkommen oft genug nur mit knapper Not ihren Verfolgern und geraten sogar in die Gefangenschaft der Todesser. Und nicht weniger mühsam erweist sich die Suche nach den verbliebenen Horcruxen, zumal die Spannungen unter den drei Freunden nicht geringer werden. Immerhin wird Harry durch eine geheimnisvolle Erscheinung zu einer wirksamen Waffe geleitet. Und selbst als die ihnen abhanden kommt, finden die Freunde eine Alternative. Ministerium, Gringotts – Bank, Harrys Geburtstort sind einige Stationen auf ihrem Weg. Eine Alternative scheint sich ihnen zu bieten, als Mr. Lovegood von den Heiligtümern des Todes erzählt. Durch ein Buch, das Dumbledore Hermine hinterlassen hatte, werden dessen Angaben gestützt, und Harry liegt nicht ganz falsch, wenn er sich im Besitz mindestens eines dieser Heiligtümer glaubt. Aber nur der Besitz aller drei verspricht unendliche Macht und damit auch ein Ende der Herrschaft Voldemorts. Letztendlich führt der Weg der drei Freunde sie zurück nach Hogwarts und in die Entscheidungsschlacht gegen Lord Voldemort. Doch Harrys Schicksal ist ein ganz anderes, als er sich vorgestellt hatte…

Auch wenn Rowling den siebten Band ab und an dazu nutzt, notwendige Einzelheiten nachzureichen – und so auch Harrys Vorstellung von Dumbledore gehörig ins Wanken bringt – ist dieses Buch schon früh mit schnellen und spannungsreichen Handlungselementen angereichert, während sich die vorhergehenden Bücher bis zur Mitte nur langsam entwickelten. Insgesamt bekommt das dem Abschlußband recht gut, sodaß sich Ermüdungserscheinungen, die mir etwa den fünften Band beinahe vergällten, nicht wirklich einstellten. Handlungshöhepunkte und die Konzentration vor allem auf die drei Freunde bewirkten allerdings auch, daß einige der Nebenakteure im Gegensatz zu ihren vorherigen Auftritten denn doch reichlich verblassten. Auch wenn es dem Buch nicht wirklich schadet, sahen sich zumindest diverse „Fangemeinden“ eher verprellt. Vor allem dann, wenn deren Identifikationsfiguren im Laufe der verschiedenen Auseinandersetzungen ihr Leben ließen.

Denn Tote gibt es reichlich, und die Liste der Sympathieträger wurde erheblich zusammengestrichen. Spätestens mit dem vierten Band war die Zuordnung „Kinderbuch“ hinfällig geworden, und mit Band 6 und 7 wäre die angemessene Leserschaft wohl mindestens bei sechzehn Jahren anzusetzen. Der Verlag allerdings empfiehlt 10 – 12 Jahre als angemessenes Lesealter. Ich habe da meine Zweifel, aber das mag altersbedingt sein : inzwischen sind selbst Filme, die ich als Jugendlicher nicht hätte sehen dürfen, mit einer FSK 16 ohne zusätzliche Eingriffe durchaus freigegeben. Da ja zumindest die erste Lesergeneration mit ihrem Helden (zehn Jahre liegen zwischen dem Erscheinen von Band 1 und Band 7) mitgewachsen ist, stellte das zunächst kein Problem dar, die folgenden Generationen, die Band nach Band ohne Unterbrechung lesen können, sind vor einer eventuell auftretenden Überforderung allenfalls durch das Verantwortungsgefühl der Eltern geschützt.

Rowling hat in sieben Bänden ein recht stimmiges, sehr phantasiereiches Universum geschaffen, das durchaus gestattet, über bestimmte Unstimmigkeiten, Fehler und Ungenauigkeiten hinwegzulesen. Ihre Figuren sind eindrucksvoll, bleiben im Gedächtnis – von Dolores Umbridge über Draco Malfoy bis hin zu Dumbledore oder Snape. Für den Erfolg der Reihe verantwortlich sind aber wohl die drei Protagonisten Harry Potter, Hermine und Ron, nicht weil sie Superhelden wären oder unfehlbar (auch Hermine ist eigentlich mehr eine Fleißarbeiterin denn ein Naturtalent), sondern weil es sich – in gewissen Grenzen um normale Jugendliche handelt, die ihre Fehler und Unzulänglichkeiten haben, sich aber auf ein solides Fundament aus Herzensgüte, Mitleidensfähigkeit, gesunden Menschenverstand und Gerechtigkeitsempfinden stützen können und zudem die Begriffe Freundschaft und Liebe ernstzunehmen in der Lage sind.

Hier manifestieren sich auch die christlichen Grundlagen des Rowlingschen Universums, wenngleich es auch andere Einflüsse gegeben hat. Jedoch verzichtet die Autorin auf die sehr aufdringliche Programmatik (und Belehrung), auf die man etwa überdeutlich, heutzutage fast unverdaulich in C.S.Lewis‘ „Narnia – Chroniken“ stößt.
Nicht wirklich begeistert hat mich die Hintergrundschablone des Faschismus, speziell nationalsozialistischer Prägung, mit den deutlichen Verweisen auf den Antisemitismus, die Resistance, Vichy etc. Zwar waren Hinweise dazu von Anfang an vorhanden und entwickelten sich über die einzelnen Bände fort, jedoch stellt auch in diesem Belang der siebte Band einen Höhepunkt dar, sodaß ich mir hier entweder eine größere Zurückhaltung (also dezenteres Umgehen damit) oder aktuellere Bezugssysteme gewünscht hätte.

Alles in allem war die Harry – Potter – Reihe vor allem ein Leseabenteuer, das sowohl fesseln als auch unterhalten konnte, das Spaß machte und selten langweilte. Die Autorin hat die Geschichte im übrigen weitgehend auserzählt und selbst die wichtigsten Lebensstationen der bestimmenden Nebenfiguren – ob lebendig oder tot – soweit integriert, daß eine Fortsetzung (selbst ein Prequel) nahezu unmöglich geworden ist, es sei denn sie setzte ein paar Jahrzehnte später erneut an oder machte jemanden aus der Nachfolgegeneration zum Helden. Aber auch dann scheint Hogwarts als Handlungsort eher ausgeschlossen.

Bibliographische Angaben :

J.K. Rowling : Harry Potter und die Heiligtümer des Todes

Übersetzt von Klaus Fritz

Carlsen Verlag

ISBN : 978-3551354075

© Jost Renner

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